Das Wasserstoff Wohnmobil – klimafreundlich reisen

Das Wasserstoff Wohnmobil – klimafreundlich reisen

Das Produktionsende der Verbrennungsmotoren rückt immer näher und die Fahrzeughersteller müssen sich etwas einfallen lassen, was Diesel und Benzin ersetzen kann. Dies gilt ebenfalls für die Hersteller von Wohnmobilen und Campingbussen, die bereits eifrig an Alternativen arbeiten. Das Wasserstoff Wohnmobil ist keine Zukunftsmusik mehr und es gibt bereits Modelle, die alltags- und damit auch ferientauglich sind. Wann das Ganze allerdings serientauglich wird, steht noch nicht fest, denn dazu müssten sich die Mitgliedsstaaten der EU zuerst einigen.

Die Staaten wollen Fakten schaffen

Die Europäische Gemeinschaft hat auf die Probleme mit der Umwelt reagiert und das sogenannte „Fit for 55“ Paket ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2030 soll der Ausstoß an CO2 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 reduziert werden. 2050 will die EU dann komplett sein. Ob der Plan sich aber so in die Tat umsetzen lässt, hängt noch von den Gesetzgebungsprozessen ab, die er in den einzelnen Mitgliedsländern durchlaufen muss. Die einzelnen Mitgliedsländer müssen zustimmen.

Bei Ländern wie Deutschland oder Frankreich, in denen die Autoindustrie einen sehr hohen Stellenwert hat, ist mit Widerstand zu rechnen. Kleineren Staaten, wie beispielsweise Dänemark, geht es dagegen nicht schnell genug. Die skandinavischen Länder wollten schon 2030 den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren verbieten. Sie mussten ihre Pläne aber zurücknehmen, weil das gegen EU-Recht verstößt.

Beim Wasserstoff Wohnmobil muss die Reichweite stimmen

Wer gerne mit dem „Eigenheim auf Rädern“ unterwegs ist, wird beim Kauf eines Wohnmobils auf viele wichtige Details achten. Eines dieser Details ist die Reichweite, also der Verbrauch an Treibstoff. Wie viel Benzin oder Diesel auf der Fahrt in den Urlaub verbraucht wird, lässt sich leicht ausrechnen, aber wie sieht es bei einem Wohnmobil aus, was mit Wasserstoff angetrieben wird?

Das Prinzip der Wasserstoff Brennzellen ist hingegen einfach. Im Tank wird Wasserstoff mitgeführt und dieser reagiert in einer mit Sauerstoff aus der in kontrollierter Weise zu reinem Wasser. Auf diese Weise wird erzeugt, der dann in einer kleinen Pufferbatterie gespeichert wird. Streng genommen ist ein Wasserstoff Wohnmobil ein Hybridfahrzeug. Die Brennstoffzelle hat den großen Vorteil, dass mit ihr sogar passable Reichweiten möglich sind. Ein weiterer Vorteil ist das schnelle Nachtanken, allerdings gibt es erst sehr wenige Tankstellen.

Die Preise müssen sinken

Aktuell gibt es nur 100 Tankstellen in ganz Deutschland, die Wasserstoff verkaufen. Neben dem sehr dünnen Angebot an Zapfsäulen ist auch der Preis für den Wasserstoff noch viel zu hoch. Würden die Preise für die Fahrzeuge sinken, die mit Wasserstoff fahren, und zudem deutlich mehr Tankstellen entstehen, wäre auch das Wasserstoff Wohnmobil eine echte Alternative zum klassischen Wohnmobil. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es mehr Tankstellen geben muss, die mit überschüssigem Ökostrom mehr Wasserstoff mittels Hydrolyse produzieren. Aktuell wird er noch aus einem fossilen Treibstoff hergestellt, nämlich aus Erdgas. Gelingt das alles zeitnah, dann könnte das Wasserstoff Wohnmobil zu einer Alternative werden.

Renault geht voran

Mit dem sogenannten „Master H2-Tech“ zeigt der französische Autobauer Renault ein Nutzfahrzeug mit einer Brennstoffzelle. Noch befindet sich das Ganze in der Erprobungsphase, ist aber in drei unterschiedlichen Varianten angedacht: als Kastenwagen, als Minibus für die Stadt und als Plattformgestell. Die 30 kW-Brennstoffzelle und die vier Tanks für den Wasserstoff, die zusammen ein Fassungsvermögen von sechs Kilogramm haben, sind im Kastenwagen unter dem Dach untergebracht. Der mit einer Leistung von 57 kW und eine 33-kW-Batterie befinden sich im Kabinenraum. Nach Aussagen von Renault können mit diesem kleinen Wasserstoff Wohnmobil 500 Kilometer zurückgelegt werden. 100 Kilometer läuft der Wagen dabei mit reinem Batteriebetrieb.

Für den kleinen Urlaub

Der Expert-Van von Renault wird bereits mit einem klassischen Verbrennungsmotor, aber auch als E-Fahrzeug angeboten. Mit dem „e-Expert Hydrogen“ kommt jetzt noch eine Variante mit Wasserstoff dazu. Bei diesem Van, den sich viele zum Campingfahrzeug umbauen, ist die Brennstoffzelle im Motorraum untergebracht. Sie wird von drei Wasserstoffspeichern versorgt, die sich unter dem Boden befinden. Die Kapazität liegt bei 4,4 Kilogramm. Der Strom, den die Brennstoffzelle produziert, fließt in eine 10,5-kW-Batterie, die sich unter dem Kabinenraum befindet. Laut Renault fährt der Van 400 Kilometer und wird damit zu einem schicken Campingbus für den kleinen Urlaub zu zweit. Angeboten wird der Van in zwei verschiedenen Längen, sodass eine Zuladung von bis zu 1100 Kilogramm erreicht werden kann.

Fazit

Ein Wasserstoff Wohnmobil kann heute schon eine größere Reichweite erreichen, als viele Fahrzeuge, die mit einem reinen E-Antrieb unterwegs sind. Noch ist die Versorgung aufgrund der fehlenden Tankstellen aber schwierig und das Verreisen mit einem solchen Wohnmobil noch sehr teuer. Soll das Ganze für den Campingbereich, also für die breite Masse der Campingfreunde attraktiv werden, dann muss jedoch noch eine Menge verbessert werden.

Bild: @ depositphotos.com / Voyagerix

Ulrike Dietz