Oranger Wasserstoff – eine weitere Chance für den Klimaschutz

Oranger Wasserstoff – eine weitere Chance für den Klimaschutz

Die Bundesregierung spricht sich nicht erst seit gestern für Wasserstoff als für die aus. Bereits im vergangenen Jahr gab es eine Empfehlung, dass oranger Wasserstoff, neben dem bekannten grünen Wasserstoff, zukünftig eine wichtige Rolle spielen soll. Oranger Wasserstoff ist nach Ansicht der Bundesregierung eine weitere, sehr wichtige Chance für den Klimaschutz, vor allem wenn es um den Verkehrssektor geht. Aber was genau ist eigentlich oranger Wasserstoff und was macht ihn so besonders?

Der Wasserstoff aus Abfall

Für den grünen Wasserstoff werden nachhaltige Energiequellen wie Wind und benötigt, er gilt als sauber und ist daher die bevorzugte Form. Dass Wasserstoff aus Abfallprodukten entstehen kann, ist nicht neu, hier spielen tierische Hinterlassenschaften wie Gülle und Mist eine wichtige Rolle. Oranger Wasserstoff ist ebenfalls ein Produkt aus Abfall, genauer gesagt sind es sogenannte gemischte Siedlungsabfälle. Gemeint sind damit Sortierreste und Restmüll, die man nicht hochwertig recyceln kann. Diese Abfälle werden in den Müllheizkraftwerken energetisch weiter verwertet. Dies heißt, zusätzlich zu der eigentlichen sicheren Entsorgung des Mülls, werden aus dem dabei entstehenden Dampf, Wärme und zurückgewonnen.

Aus Biogas wird oranger Wasserstoff

Aus technischer Sicht hat sich auch eine besondere Form der Elektrolyse mittlerweile fest etabliert. Damit ist es möglich, den überschüssigen Wasserstoff zu speichern. In den sogenannten Vergärungsanlagen wird ein Teil des Energiegehalts aus der Biotonne als Biogas zurückgewonnen, bevor es danach als Bioabfall zu Kompost wird. Dieses Biogas kann unmittelbar zu Wasserstoff umgewandelt werden. Für die Kommunen und Gemeinden in Deutschland heißt das: Sie können bei der energetischen Verwertung des Abfalls auf ganz unterschiedlichen Wegen zugleich noch umwelt- und klimafreundlichen Wasserstoff erzeugen.

Wasserstoff als gleichwertiger Ersatz

Neben der Strom-, Dampf-, Kompost- und Wärmeversorgung, planen die kommunalen beispielsweise, den sogenannten primären Treibstoff durch orangen Wasserstoff zu ersetzen. Damit könnte dann der stetig wachsende Fuhrpark der Städte und Gemeinden aus Bussen, Kehrmaschinen, Mülltransportern und Räumfahrzeugen, mit umweltfreundlichem Treibstoff betrieben werden. Die Fahrzeuge werden mit klimaverträglichen Brennstoffzellen ausgerüstet und können anschließend gleich mit regionalem betankt werden. Energiespeicher aus Biogas und Wasserstoff sorgen außerdem für mehr Flexibilität im Energiesystem. Ihre sowie ihre Nutzung als Speicher kann einen wertvollen Beitrag zur Versorgungssicherheit sein, um etwa die Stromnetze sicher zu stabilisieren.

Neue Klimaziele

nach Ansicht von Experten brauchen alle klimaneutralen Kommunen in Deutschland in der heutigen Zeit sektorübergreifende Strategien. Die Kommunen müssen sich neuen Technologien öffnen und müssen auf Pragmatismus, statt weiter auf Denkverbote setzen. Die neuen Klimaziele werden nur dann erreicht, wenn die Gemeinden und Städte sich den lokalen Potenzialen öffnen und sich für eine Energieversorgung entscheiden, die auf lange Sicht gesehen, auch das Klima schont. Dazu gehört auf jeden Fall auch oranger Wasserstoff, der aus Strom entsteht, welcher direkt aus der Biomasse oder aus der sogenannten thermischen Abfallverwertung kommt. Der Bundestag kann den kommunalen Unternehmen die notwendige Planungs- und Rechtssicherheit geben, damit sie in die lokale Produktion von Wasserstoff investieren können. Das Gesetz, das im Frühjahr 2021 vom Bundestag verabschiedet wurde, setzt neue Ziele beim Thema Klima. So hebt das Gesetz die CO2-Minderungsquote im Verkehr, seit diesem Jahr in definierten Schritten auf 25 Prozent ab 2030 an.

Erlaubt ist, was das Klima schont

Damit dieses Ziel nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erreicht werden kann, wird immer mehr auf neue Technologien gesetzt. Dazu gehören auch der grüne und der orange Wasserstoff, sowie Wind und Photovoltaikanlagen. Biogene und erneuerbare Energien aus Biomasse und Biogas, aber auch Klärschlamm, Klärgas und Strom aus der Abfallverwertung dürfen dabei zum Einsatz kommen. Aus Sicht der verbessert sich zugleich die Situation der kommunalen Unternehmen vor Ort, die aktiv daran mitarbeiten wollen, die geplanten Klimaziele zu erreichen. Vor allem im Verkehrssektor ist es wichtig, voranzukommen und die vielen Chancen zu nutzen, die Wasserstoff bietet. Dabei können in Zukunft sogar noch andere Formen von Wasserstoff eine Rolle spielen. Dies gilt für den türkisen Wasserstoff, bei dem Erdgas, mithilfe von Methanpyrolyse, in Wasserstoff und festen Kohlenstoff verwandelt wird. Bleibt dabei der Kohlenstoff auf Dauer gebunden und wird nicht zur Weiterverarbeitung verbrannt, wodurch das Verfahren auch CO2-neutral ist.

Fazit

Der Bundestag hat die Landesregierungen bereits im vergangenen Jahr aufgefordert, immer ergebnisoffen zu überprüfen, ob vielleicht die thermische Verwertung aus Abfällen fossilen Ursprungs, wie beispielsweise Kunststoff, ebenso angerechnet werden können. Das Recht der Europäischen Union gibt den Mitgliedsstaaten dazu die Möglichkeit. Genaue Details zum Thema oranger Wasserstoff sollen über Verordnungen geregelt werden, an denen sich das Parlament beteiligt. Zudem wurde beschlossen, das Regelwerk im Abstand von zwei Jahren zu evaluieren. Der Bundestag will damit, neben der Bedeutung für die Gesellschaft, auch den schnellen technologischen Fortschritt berücksichtigen.

Bild: @ depositphotos.com / scanrail

Ulrike Dietz